Kinder- und Jugendschutz für NRW

Hate Speech – Hass im Netz

In Kommentarspalten, Foren und Sozialen Medien begegnet man, nicht erst seit der Flüchtlingskrise, massiv rassistischen und fremdenfeindlichen Hassreden. Aber auch Antisemitismus, Islam- und Muslimfeindlichkeit, Sexismus, Homofeindlichkeit und andere Formen der Abwertung finden im Netz die große Bühne – in drastischer Sprache, verbreitet über menschenfeindliche Bilder und Memes und zum Teil in Form konkreter Gewaltandrohungen. Für dieses vielschichtige Phänomen hat sich im deutschen Sprachgebrauch der Begriff Hate Speech (englisch für „Hassrede“) durchgesetzt. Er beschreibt allgemein abwertende, menschenverachtende und volksverhetzende Sprache und Inhalte. Hate Speech ist also eine Form der digitalen Gewalt, die über Sprache, Worte und Bilder verbreitet wird.

Hate Speech trifft nicht alle gleich

Hate Speech unterscheidet sich von anderen Formen digitaler Gewalt. Während etwa von Cyber-Mobbing, sogenannten Shitstorms oder einer verrohten Kommunikationskultur im Netz im Prinzip alle in gleichem Maße betroffen sein können, zielt Hate Speech vorwiegend auf Gruppen und Personen, die auch außerhalb des Internets ausgegrenzt und angefeindet werden, z.B. aufgrund ihrer vermeintlich nichtdeutschen Herkunft, ihrer Hautfarbe, Religion, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung. Hate Speech ist insofern eng verknüpft mit dem Begriff „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Sehr wohl aber können auch jene zur Zielscheibe werden, die zwar selbst nicht einer der genannten Gruppe zugeordnet werden, aber für ihre Rechte und gegen Menschenfeindlichkeit eintreten: Flüchtlingshelferinnen, Aktivisten, Politikerinnen oder Journalisten. Jugendverbände, die mit ihrer Arbeit für demokratische Werte und eine plurale Gesellschaft einstehen, sind ebenfalls besonders gefährdet, Ziel von hasserfüllten Kommentaren, Beleidigungen und Drohungen zu werden.

Hass im Kopf trifft digitale Enthemmung

Hate Speech ist also kein reines Internetphänomen, d.h. es existiert nicht losgelöst vom analogen Leben sondern greift reale demokratie- und menschenfeindliche Einstellungen auf. Zusätzlich lässt sich im Netz aber eine Art Enthemmungseffekt beobachten. Meinungen, die im realen Leben oft nur von einer Minderheit offen vertreten werden, sind mit wenigen Klicks veröffentlicht und finden im Internet eine große Bühne. Das fehlende direkte Gegenüber, die Möglichkeit, anonym zu bleiben und die Annahme, nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden, tragen weiter zur Enthemmung bei. Aber es wird nicht nur offen gehetzt, sondern häufig auch ganz offen mit Klarnamen.

Digitaler Hass als Katalysator realer Gewalt

Das Internet wirkt hier wie ein Megafon: Die Anzahl der Hater mag (immer noch) relativ gering sein, ihre permanente Sichtbarkeit erweckt aber den Anschein einer breiteren Bewegung. Digitale Hassreden wirken so nicht selten als Katalysator realer Gewalt im analogen Leben, weil sie rassistischen und rechtsextremen Personen und Gruppierungen das Gefühl geben, im Sinne und als Sprachrohr einer schweigenden Mehrheit zu handeln. Ein Gradmesser dieser Stimmung sind die aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamtes: So haben sich die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte 2015 gegenüber dem Vorjahr verfünffacht. Insgesamt zählte das BKA 1005 Attacken, 901 mit klar rechtsradikalem Hintergrund. Die Hetze in Sozialen Netzwerken, so der BKA-Chef Holger Münch, bildet den Nährboden solcher Taten.

 

Angebote der AJS zum Thema Hate Speech

Pressemeldung 6/2016: Hate Speech – Hass im Netz

Dokumentation Fachtagung „Hate Speech – Hass im Netz“ am 1.7.2016

Die Broschüre Hate Speech – Hass im Netz soll Fachkräfte und Eltern mit Informationen und Handlungsempfehlungen unterstützen, um Hate Speech Broschüre_coverGegenstrategien zu entwickeln. Dazu enthält sie konkrete Tipps für die (medienpädagogische) Arbeit mit Jugendlichen. Herausgeber sind AJS und LfM in Kooperation mit klicksafe.

Bestellen über www.lfm-nrw.de und Download HIER

AJS-Merkblatt: Hate Speech und Rechtsfragen 

AJS-Merkblatt: Hate Speech – Links & Material